Kleines Wörterbuch der medizinischen Begriffe
Bei den nachfolgenden Erläuterungen von medizinischen Begriffen handelt es sich um Zitate aus dem Buch:
Pschyrembel [1990]: Klinisches Wörterbuch. 256. Auflage, de Gruyter Verlag, Berlin.
- Arachnoidea
- Spinnenwebenhaut; bindegewebige Membran, die über die Furchen und Windungen des Gehirns und Rückenmarks hinwegzieht. Bildet zusammen mit der Pia mater* die weiche Hirn- und Rückenmarkshaut (Leptomeninx). Die Außenfläche der Arachnoidea liegt der Dura mater* an und begrenzt von innen her die den kapillaren Subduralraum. Die Innenfläche ist mit der Pia mater durch bindegewebiges
Bälkchenwerk verbunden. Zwischen Arachnoidea und Pia mater befindet sich der Subarachnoidalraum* mit dem Liquor cerebrospinalis
- Darmwandnervensystem
- neben Parasympathikus und Sympathikus dritter relativ unabhängiger Anteil des vegetativen Nervensystems*, das die Leistungen des Magen-Darm-Traktes (Sekretion, Motorik, Durchblutung) steuert und strukturelle und funktionelle Analogien zum ZNS aufweist.
- Ependym
- ektodermale, einschichtige Zellauskleidung (Gliazellen) der Hirnhöhlen und des Zentralkanals des Rückenmarks*
- Hirnventrikel
- Ventriculi cerebri, mit Liquor cerebrospinalis* gefüllte Gehirnkammern; Rest des Neuralrohrs*, Fortsetzung des Rückenmarkkanals* im Gehirn, der sich hier zu 4 mit Ependym* ausgekleideten Kammern erweitert. 1. und 2. Ventrikel:
Seitenventrikel (in den Endhirnhemisphären) führen durch das Foramen interventriculare (Foramen Monroi) in den 3. Ventrikel, der durch das Aquaeductus mesencephali in den 4. Ventrikel (im Rautenhirn liegend) übergeht; letzterer läuft aus in den Zentralkanal des Rückenmarks* und steht über die Aperturae laterales (paarige seitliche Öffnungen des 4. Ventrikels) und mediana (mediane unpaare Öffnung) mit dem Subarachnoidalraum* in Verbindung. Mit den extrazerebralen (außerhalb des Gehirns), interkarniellen (innerhalb des Schädels) Zisternen des Liquorraums bestehen in der hinteren Schädelgrube Verbindungen durch die Foramina Magendii (Apertura mediana ventriculi quarti) und Luschkae (Apertura lateralis ventriculi quarti)
- Liquor
- Flüssigkeit; [...] Liquor cerebrospinalis: Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit; die in den vier Hirnventrikeln* und um
Subarachnoidalraum* enthaltene Flüssigkeit
- Nervensystem
- Gesamtheit des Nervengewebes als morphologische und funktionelle Einheit mit der Befähigung zur Reizaufnahme in den Endapparaten (Rezeptoren), der spezifischen Erregungsbildung in den Rezeptoren, der Weiterleitung der Erregung, deren Verarbeitung im Zentralnervensystem und der Reizbeantwortung zu den peripheren Empfängern (Effektoren). (Morphologie: Lehre von der Körper-(Organ-)Form und körperstruktur) Einteilung: 1. topographisch: Zentralnervensystem (Gehirn- und Rückenmark), peripheres Nervensystem (Hirnnerven, Rückenmarknerven und periphere Ganglien); 2. funktionell: animales Nervensystem*,
vegetatives (autonomes) Nervensystem*
- Nervensystem, animales
- Bezeichnung für den Anteil des Nervensystems, der die willkürlichen Funktionen des Organismus regelt (Zentralnervensystem und peripheres Nervensystem); dient im Unterschied zum vegetativen Nervensystem* vor allem der Wahrnehmung und Integration von Reizen zur Steuerung der Motorik
- Nervensystem, autonomes
- synonym vegetatives Nervensystem*
- Nervensystem, intermurales
- synonym vegetatives Nervensystem, Darmwandnervensystem*
- Nervensystem, vegetatives
- synonym autonomes Nervensystem; Gesamtheit der dem Einfluss des Willens und des Bewusstseins primär nicht untergeordneten Nerven und Ganglienzellen, die die Regelung der Vitalfunktionen (Atmung, Verdauung, Stoffwechsel, Sekretion, Wasserhaushalt, u.a.) dienen und das Zusammenwirken der einzelnen Teile des Körpers gewährleisten. Das vegetative Nervensystem bildet mit dem System der endokrinen Drüsen und den Körperflüssigkeiten eine funktionelle Einheit. Darüber hinaus bestehen enge Wechselbeziehungen zwischen dem vegetativen und zerebrospinalen Nervensystem, aber auch zwischen vegetativen und seelischen Vorgängen. Die übergeordneten vegetativen Zentren liegen im Rautenhirn, Zwischenhirn und zum Teil auch in der Großhirnrinde. Drei Systeme: 1. Sympathikus; 2. Parasympathikus; 3. intramurales System: vegetative Nervenfasern und Ganglien in der Wand von
Hohlorganen (Herz, Magen, Darm, Blase, Uterus), die in ihrer Funktion eine gewisse Selbständigkeit aufweisen; s. Darmwandnervensystem. Während der Sympathikus in seiner Funktion vorwiegend in Richtung auf Energieentladung und abbauende
Stoffwechselprozesse wirksam wird (ergotrope Wirkung), hat die parasympathische Innervation Beziehung zur Energiespeicherung, Erholung und Aufbau (trophotrope Wirkung). Daraus ergibt sich in mancher Hinsicht ein antagonistisches Verhalten dieser beiden Systeme. Durch die stets gleichzeitige Wirksamkeit beider Systeme entsteht unter normalen Verhältnissen keine dauernde einseitige Funktionsänderung, sondern im Gegenteil eine synergetische, sich gegenseitig dynamisch beeinflussende Wirkung
- Nervus vagus
- Hirnnerv; [...] Versorgung: Dura mater* der hinteren Schädelgrube, Sinus sigmoideus und transversus, Innenseite der Ohrmuschel und hinteren Wand des äußeren Gehörgangs, Teile des Pharynx (Rachen), Kehlkopf, Trachea (Luftröhre), Schilddrüse, Ösophagus (Speiseröhre), Brust- und Bauchorgane bis zum Cannon-Böhm-Punkt, Nieren
- Neuralplatte
- erste Anlage des Zentralnervensystems; tritt als Verdickung des Ektoderms in die dorsale (nach dem Rücken hin liegende) Mittellinie der Embryonalanlage auf; durch Aufwölbung der Neuralwülste entsteht die Neuralrinne und schließt das Neuralrohr, das sich vom Hautektoderm ablöst und ins Körperinnere verlagert. Dass Zellmaterial an der Nahtstelle des Neuralrohrs differenziert sich zur Neuralleiste. Aus dem Neuralrohr entwickeln sich Gehirn und Rückenmark, aus der Neuralleiste die zerebrospinalen und Sympathikusganglien, die chromaffinen Zellen des Nebennierenmarks und die Paraganglien, die Schwann-Zellen u.a.
- Pia mater
- der gefäßführende Teil der weichen Hirnhaut (Leptomeninx), die als Pia mater encephali der Hirnoberfläche und als Pia mater spinalis der Rückenmarkoberfläche dicht anliegt
- Rückenmark
- Medulla spinalis; der im Wirbelkanal eingeschlossene Teil des ZNS (Zentral-Nerven-Systems); reicht vom Abgang des 1. Halsnerven bis zum Conus medullaris (beim Erwachsenen in Höhe des 1. oder 2. Lendenwirbels). [...] Physiologisch: das Rückenmark hat eine zweifache Aufgabe: 1. Als selbständiger nervöser Zentralapparat dient es dem Zustandekommen der Reflexe (sog. Reflexorgan). [...] 2. Als Leitungsapparat verbindet es die höher gelegenen Teile des ZNS (verlängertes Mark und Gehirn) mit dem peripheren Nervensystem. (sog. Leitungsorgan).
- Subarachnoidalraum
- Cavum subarachnoidale; Liquorraum zwischen Arachnoidea und Pia mater
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